"Noch einmal"

Die Kolumne des SEA-Jugendbeauftragten Andi Bachmann-Roth
Juni 2017


Sitzt meine Tochter auf der Schaukel, ist sie von da kaum wieder wegzubringen. Hält man mit anschubsen inne ruft sie lautstark: «Meeehr!» Kinder haben eine überschäumende Vitalität. Gefällt ihnen etwas, verlangen sie nach endloser Wiederholung des immer Gleichen. So schaukelt meine Tochter, bis sie sich kaum mehr an den Seilen halten kann. Ich hätte weder die Geduld noch die Kraft zu einer solche ausdauernden Pendlerei.

Sich wiederholende Phänomene müssen meist für ein mechanisch-deterministisches Weltbild herhalten. Wenn sich alle Dinge automatisch wiederholen, ist kein Bedarf mehr für einen Gott. Der englische Schriftsteller G.K. Chesterton hätte gerade im Schaukeln meiner Tochter den Gegenbeweis gesehen: «Gut möglich, dass Gott jeden Morgen ‘Bitte nochmal!’ zur Sonne sagt und jeden Abend ‘Bitte nochmal’ zum Mond. […] wir haben gesündigt und sind alt geworden, während unser Vater jünger ist als wir.» Gott ist innerlich wild und vital wie ein Kind, da er sich an der Regelmässigkeit erfreuen kann, folgert Chesterton. Für Gott sind sich wiederholende Vorgänge keine mechanische Notwendigkeit oder ein zweckloses Schicksal. Vielleicht ruft Gott jeder blühenden Blume und jedem Vogel der ein Ei legt ein bühnenreifes ‘da capo’ zu. 
 
Kommt beim Schaukeln wieder mal langweile auf, dann erinnere ich mich: Gott wird nicht müde, vor meinen Augen jeden Tag regelmässig Wunder um Wunder zu vollbringen. Jeder Windhauch ist ein Zeugnis eines absichtlich handelnden Gottes. Auch ohne dass ihm jemand «bitte noch einmal» zuruft.
 

Gott, der HERR, der Mächtige, redet und ruft der Welt zu vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang.

Psalm 50,1